Unsere Krankenkassenprämien steigen jährlich an und haben mittlerweile eine Höhe erreicht, die von den meisten kaum mehr bezahlbar sind. Lösungen sind keine in Sicht, zumindest keine, die uns tatsächlich weiterhelfen. Die ärztliche Akutversorgung wird zwar immer besser, gleichzeitig nimmt der Anteil an Autoimmunerkrankungen rapide zu und macht gemäss Nationalem Gesundheitsbericht von 2015(!) es ist anzunehmen, dass die Zahlen in der Zwischenzeit angestiegen sind)) mittlerweile 80% der Gesundheitskosten aus. Im Management Summary desselben Berichts steht wunderbar formuliert:

Weltweit hat sich der Lebensstil der Menschen in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Dies hat einerseits mit veränderten Konsumgewohnheiten und -angeboten, andererseits mit veränderten Lebensumständen zu tun. Erstmals in der menschlichen Geschichte leben mehr Personen in urbanen als in ländlichen Umgebungen und sind mehr Menschen über- als untergewichtig. Unter anderem als Folge veränderter Lebensstile leiden und sterben auch in den Entwicklungs- und Schwellenländern immer mehr Menschen an Herzkrankheiten und Hirnschlag, Krebs, Diabetes und chronischen Lungenkrankheiten.

Chronische, nicht-übertragbare Krankheiten stellen für die Schweiz ein zentrales Problem dar, da sie bereits heute knapp 90% der Krankheitslast verursachen (WHO, 2008) und für die Zukunft eine weitere Zunahme prognostiziert wird. Dieser individuellen und kollektiven Belastung steht ein Gesundheitssystem gegenüber, das noch nicht auf diese Herausforderung ausgerichtet ist. Der Bericht der OECD & WHO (2011) zum schweizerischen Gesundheitssystem bezeichnet die chronischen Krankheiten als das wichtigste Problem der zukünftigen Gesundheitsversorgung in der Schweiz.

Die materiellen Kosten der nicht-übertragbaren Krankheiten sind sehr hoch. Sie  machten im Jahr  2011 80% der gesamten direkten Gesundheitskosten der Schweiz und damit insgesamt über 51 Milliarden Franken aus. Die indirekten Kosten können noch nicht genau beziffert werden; die bisherigen Erkenntnisse weisen auf eine Grössenordnung von 30 bis 40 Milliarden Franken pro Jahr hin, die hauptsächlich durch Erwerbsunterbrüche, Frühpensionierungen und informelle Pflege entstehen.
Aufgrund der hohen Verbreitung und der damit verbundenen Krankheitslast stehen in der Schweiz die folgenden chronischen Krankheiten im Fokus: Krebs, Diabetes, Herzkreislauf- und Atemwegserkrankungen, muskuloskelettale Erkrankungen, Depressionen und Demenzerkrankungen. Viele dieser Krankheiten werden durch das Verhalten der betroffenen Personen mitverursacht. Im Vordergrund stehen Rauchen, exzessiver Alkoholkonsum, ungesunde Ernährung und zu wenig Bewegung. Die ersten schädlichen Wirkungen dieser Verhaltensweisen äussern sich körperlich unter anderem in erhöhtem Blutdruck, erhöhtem Blutzucker, ungünstiger Blutfettverteilung, Übergewicht oder mangelnder Muskelkraft.

Es braucht also ganz dringendst mehr Allgemeinmediziner und Zahnärzte, die sich mit Lifestylethemen wie Ernährung, Schlaf, Stress, Hormone etc. besser auskennen, was natürlich einen neuen Lehrplan für die Ausbildung bedingt. Und: die Ärzte müssen mit uns Patienten auf Augenhöhe sein, uns ZUHÖREN und einordnen können, woher denn die Probleme kommen und weniger mit welchen Medikament sie unterdrückt werden können. Diesbezüglich sind sich ja schon viele Fachleute und Politiker einig; nur dauert es bestimmt Jahrzehnte, bis wir soweit sind. Gibt es zwischenzeitlich andere Lösungsansätze?

Man könnte sich beispielsweise überlegen die Wirtschaft in die Pflicht zu nehmen, durch welche hohe Kosten im Gesundheitswesen anfallen. Das wären beispielsweise Unternehmen, die

  • Schichtarbeiter beschäftigen. Diese rauben den Arbeitnehmern nicht nur Lebensjahre (man rechnet mit rund 11%, bei einer Lebenserwartung von 80 Jahren also 8 Jahre!) und setzen sie erhöhtem Unfallrisiko aus, sondern belasten uns alle insofern, als dass Schichtarbeiter durch den gestörten zirkadianen Rhythmus höchst anfällig für eine grosse Zahl an Autimmunerkrankungen werden
  • oder die Nahrungsmittelindustrie, die uns während den letzten 20 Jahren mit den überzuckerten, mit allen möglichen billigen Ölen gepanschten und pestizidverseuchten Angeboten überhaupt erst zu der massiven Steigerung der Lifestyleerkrankungen verholfen hat. Es stimmt übrigens schon sehr nachdenklich, wenn die Schweizer sich mit der Zuckersteuer so schwer tun …
  • oder die ChemieIndustrie, die mit ihren Produkten unsere Umwelt zerstören und deren Gifte wir täglich einatmen, einnehmen …

Ein unglaubliches Thema sind auch die Laborwerte – viele Ärzte haben ihre Mühe damit, und zwar auf allen Ebenen. Zum einen sind sie angehalten zu sparen und wissen dann schon gar nicht welche Werte sie bestimmen lassen sollen und zum anderen bekommen sie allenfalls Werte, die nichts taugen, weil nicht klar ist woher die Referenzwerte stammen. Es sollte klare Vorgaben für die Referenzwerte geben von gesunden voll im Saft stehenden Menschen, unterteilt nach Alter und Geschlecht. Es wäre ganz interessant zu sehen, wie sich die Gesundheitskosten entwickeln würden, wenn jeder Schweizer präventiv alle 2 Jahre einen grossen Laborcheck und eine Zahnuntersuchung durchführen dürfte. Versorgungsmängel oder eine plötzliche Anhäufung von Antikörper könnte man ganz schnell und einfach entdecken, auffüllen, den Lifestyle überprüfen und dem „Kunden“ schon mal dafür sensibilisieren, wo seine Schwachstellen liegen. Bei den präventiven, integrativen Zahnuntersuchungen wäre ein riesige Anzahl an Schlafproblemen, Nicos, Umweltvergiftungen etc. zu entdecken worauf viele Folgeerkrankungen ausbleiben könnten.

In Deutschland gibt es immer mehr Anbieter aller möglichen Testkits für Private – die scheinen ganz gut zu funktionieren, nur ist es nicht ganz ohne, die Kunden mit den Testresultaten dann alleine zu lassen. Aber eigentlich müsste das Ziel sein, das alle sich günstig testen lassen können – vielleicht braucht es dafür vom Staat finanzierte Labore?

Und wir Patienten? Wir müssen mehr Verantwortung für uns selbst übernehmen, uns besser um die eigene Gesundheit kümmern, sowohl um die physische wie auch um die psychische. Es kann nicht sein, dass wir von einem Arzt eine fix fertige Problemlösung für unsere Krankheiten erwarten, schliesslich haben wir einen grossen Teil selbst dazu beigetragen (zumindest für die lifestylebedingten Erkrankungen). Es liegt an uns, innezuhalten, zu reflektieren was gerade falsch läuft und darauf zu reagieren. Das kostet uns zwar kurzfristig  Zeit, aber längerfristig gewinnen wir Lebensqualität und ersparen uns viel Geld und Leid.

Es ist höchste Zeit, umzudenken und eine neue Perspektive auf unsere persönliche Gesundheit und die Entwicklung unseres Gesundheitssystems einzunehmen.