Es ist schon ziemlich schräg, wie die Leute reagieren, wenn man über Stress jammert. Ich hab im Moment recht viel an der Backe: Einerseits versuche ich diesen Blog zu starten, dann habe ich mit Peter unser Studio bezogen und wir planen gemeinsam ein paar Seminare und eine Kick-off-Veranstaltung, dann brauche ich natürlich von VK bis Schaufensterbeschriftung alles mögliche, um es nach einem echten Unternehmen aussehen zu lassen. Zusätzlich bin ich in einem OK für ein Schulhauseinweihungsfest (eine echt riesige Kiste zum organisieren), dann gibt es viele Anlässe vom Frauenverein aus, da engagiere ich mich auch gerne. Ja und Ende Schuljahr bedeutet auch immer viele Events mit den Kids, Fibi muss ganz früh morgens raus, weil nachher ist es ihr zu heiss und überhaupt braucht sie ein wenig mehr Streicheleinheiten als sonst, weil ihr die Allergien zu schaffen machen. Und ach ja, fast vergessen, da waren noch zwei Fotoshoots mit Kochevent für ein kleines Büchlein, Texte dazu spucken im Kopf rum und logo meine ganz normalen Auftragsarbeiten – Haushalt denken wir mal weg und der Göttergatte ist zur Zeit eh am Ende der Nahrungskette. So in etwa tönt es bei mir grad des Öfteren. Was passiert? Die Leute überhäufen mich mit Anerkennung. Wow, das ist toll – wie kriegst du das bloss auf die Reihe? Das könnte ich nie, wahnsinnig wie du das machst. Hey, das ist ja grossartig, du bist super und so weiter und so fort. Indem ich also erzähle wie gestresst ich bin, werde ich bewundert und gelobt – von ein paar wenigen auch bemitleidet.

Ganz ehrlich? Ich mach schon viel, aber ich weiss ja auch das es kurzfristig ist und es macht mir total Spass und stresst mich nicht negativ. Ich weiss, dass ich bald wieder in den Seilen hängen kann und am See die Füsse baumeln lassen und gemütlich mit Fibi im Tobel spazieren gehen und ganz viele schöne Momente zum Geniessen und Durchatmen haben werde. Dafür bekomme ich jedoch keine Anerkennung! Wieso eigentlich nicht?

Als Leistungsgesellschaft ticken wir eben genau so: Wer viel leistet ist viel Wert und bekommt entsprechende Anerkennung. Und dies obwohl wir alle wissen, dass Dauerstress krank und unglücklich macht.

Ich glaube es wird Zeit zum Umdenken. So werde ich ab sofort noch mehr diejenigen Menschen loben, die mir erzählen, was sie alles tun, um Energie zu tanken (damit sie gewappnet sind für kurzfristige stressige Einsätze;) Die kein schlechtes Gewissen haben, wenn sie tun was ihnen gut tut und nicht das, was als Leistung betrachtet wird. Die es geniessen einfach NICHTS zu tun oder einfach nur grad das machen, was für den Moment passt.

Die hübsche Frau auf dem Foto ist übrigens meine Freundin Corinna. Sie hat es mir geschickt, als sie sich spontan entschieden hat darauf zu verzichten die Wohnung zu putzen und dafür in Rapperswil im wunderbaren Kaffee Klatsch einen feinen Kuchen zu geniessen, und zwar einfach so, ganz alleine. Wer Corinna kennt, weiss, dass dies nicht ganz einfach war für sie, da sie alles immer perfekt haben möchte. Nun ist es perfekt für sie und ihre Familie wird es ihr nicht nachtragen und die Wohnung schon gar nicht. Super Entscheidung – gut gemacht Liebe!